Warum ich Trageberaterin wurde

Meine erste Tochter wurde 2008 in Spanien geboren. Dort war das Tragen von Babys noch nicht so modern. Ich bekam von meinen Kolleginnen zwar eine Trage geschenkt, weil ich sie mir gewünscht hatte, aber darin trug ich nicht oft. Es handelte sich um eine nicht sehr ergonomische Trage, welche weder für mich, noch für meine Tochter sehr bequem war.

Erst als sie etwa 7 Monate alt war, fand ich in einem großen Babyfachmarkt,in einer Ecke eingestaubt, eine Manduca. Seitdem trug ich sie wieder gerne. Bis sie ca. 3 Jahre alt war, hatten wir die Manduca immer als Backup bei Spaziergängen dabei.

Mein Sohn kam 2012 zur Welt. Ihn wollte ich von Anfang an tragen. Meine Hebamme zeigte mir das Binden der „Wickelkreuztrage“ mit einem gewebten Tragetuch und auch im „Einfachen Rucksack“ trugen wir ihn bald auf dem Rücken im Tuch. Doch mein Sohn fing sehr früh an zu laufen, wollte sich schon immer viel und selbstständig bewegen und zog bald den Kinderwagen der Trage vor, da er da schnell wieder raus klettern konnte wenn er sich genug ausgeruht hatte.

2017 kam unsere zweite Tochter zur Welt. Da ich nun schon einen großen Haushalt mit zwei Kindern, Hund und Garten zu führen hatte, verbrachte sie die ersten drei Monate fast ausschließlich auf meinem Rücken. Nun fand ich heraus, wie entspannt das Leben mit einem Säugling sein kann, wenn man ihn einfach immer mit dabei hat. Sie konnte zuschauen wenn sie wollte, einschlafen sobald sie müde war, war immer warm und an meinem Herzen, egal ob draußen beim Spaziergang, im Supermarkt oder in der Kirche. Kochen, Putzen, Wäsche aufhängen, mit Kind auf dem Rücken kein Problem. So schaffte ich meinen Haushalt wie gewohnt an den Vormittagen, konnte mich mittags mit meinem Baby zusammen ins Bett kuscheln und hatte Nachmittags Zeit und die Hände frei für die Großen. Ich versuchte gar nicht erst sie abzulegen, sie im Kinderwagen oder der Wiege zu schaukeln, sie durfte einfach immer bei mir sein. Und ich konnte es selber kaum fassen wie viel sie schlief! Sie schlief praktisch ständig! Und das obwohl ich gar nichts dafür tat. Ich machte einfach weiter mit dem was gerade anlag, egal ob staubsaugen oder Hof fegen. Sogar Sport konnte ich mit ihr auf dem Rücken machen, dank extra dafür gedrehter Videoanleitungen. Mit Grauen dachte ich an meine früheren Erfahrungen zurück. Rückenschmerzen durch ewiges Wiegen im Arm; Kinderwagen in der Küche zum Einschschlafschieben während das Essen fertig gekocht werden muss; Verzweifelte Versuche das Kind abzulegen, welches genau in dem Moment wieder aufwachte;… all das war nun Geschichte.

Da ich nun die Vorteile des Tragens kannte, fing ich an verschiedene Tragen auszuprobieren. Eine Mei Tai für den Papa, einen Sling fürs schnelle Rein und Raus, ein Kanga Tuch für den Sommer,… verschiedene Bindeweisen wurden ausprobiert und es wurde schnell zu einem Hobby.

Als andere Mütter mich fragten, wie ich denn den Alltag mit drei Kindern so empfände, und ich immer wieder erzählte wie entspannt es sei, da ich mein Kleinstes ja ständig bei mir trage, wurden viele neugierig und wollten mehr wissen. Ich wollte sie gerne alle an meinem Wissen teilhaben lassen, fühlte mich dafür aber noch nicht kompetent genug. Also machte ich meine Ausbildung zur Trageberaterin, stockte mein Sortiment auf und versuche nun möglichst vielen Eltern in Borgholzhausen und Umgebung die Vorzüge des Tragens nahe zubringen.